• Loading
    (Photo: Das Unsichtbare Kino © ÖFM/Bruno Klomfar)

Eyes Wide Shut II: Les Vers Luisants

Die Konzertreihe Eyes Wide Shut setzt dort an, wo die ‚Vienna Version’ von Morgan Fishers Film Screening Room aus dem Jahr 2012 endet: im frontalen Close-up einer leuchtenden, filmlosen Leinwand. Das Unsichtbare Kino des Österreichischen Filmmuseums scheint prädestiniert für ein solches Weiterdenken: Der ganz in Schwarz gehaltene Raum lässt die Realität des Kinosaals zurücktreten – zugunsten der filmischen Fiktion und ihrem Träger, der weißen Leinwand.

Die Konzerte folgen der Idee dieses Raums und werden darin selbst zu einem kinematografischen Ereignis: Die Musiker*innen spielen off-screen und verschwinden im Dunkel des Raums. Während auf der Leinwand ein zeitweiliges ‚Bilderverbot’ herrscht, tritt die montierte, geschnittene und editierte Musik aus allen Winkeln des Kinos hervor. Alle musikalischen Elemente werden zu potenziellen Akusmaten, die ihre Quelle verbergen, mit ihrer Ursache spielen. Live Gespieltes, Vorproduziertes und Nachproduziertes synthetisieren sich im Kino zur audiovisuellen Illusion, die sich im selben Moment wieder demontiert.

Das Konzert Les Vers Luisants widmet sich dem französischen Komponisten und Theoretiker Michel Chion und den Relikten seiner Musique concrète. Unter der Regie des Solistenensemble Kaleidoskop zeigt die leere Leinwand des Filmmuseums, wie abendfüllend sie sein kann: Sie spricht, sie tönt, sie leuchtet auf.

Programm:
Morton Feldman: Projection 1 für Violoncello (1950)
Michel Chion: Les vers luisants (2014) aus Filarium (gemeinsam mit Lionel Marchetti und Jérôme Noetinger)
Ludwig van Beethoven: Streichquartett a-moll op. 132 (1825)
Sebastian Claren: Sentimental journey on a g string (1998/2016)
Mark Andre: …zu… für Streichtrio (2004)
Gérard Grisey: Prologue für Viola solo (1976) aus Espaces Acoustiques
Peter Ablinger: Weiss / Weisslich 17b – Violine und Rauschen (1995)
Mit Texten aus Michel Chion: Das Audio-Logo-Visuelle in einhundert Begriffen (1982–2011)

Zum Auftakt:
Screening Room (Regie: Morgan Fisher, 16mm, s/w, 1968/2012)
Die Kamera schlägt den Weg in den Kinosaal ein, den der Zuschauer eben genommen hat – und zoomt in die mit Weißlicht bestrahlte Leinwand. Ein Stück Expanded Cinema, dessen (wenige) Versionen Morgan Fisher für spezifische Kinos erstellt hat, so auch für das Österreichische Filmmuseum.

Eine Koproduktion von Österreichisches Filmmuseum, .akut – Verein für Ästhetik und angewandte Kulturtheorie und Wien Modern mit freundlicher Unterstützung des Institut Français Wien.

 Vorheriger Artikel
Nächster Artikel