Zur Zeit im Programm

WITOLD/NICO/JAWS

Witold Lutosławskis komplexes und formsuchendes „Preludes and Fugue“ (1972) und Nicos „Desertshore“ (1970), ein Zyklus amorpher Songs voller Todessehnsucht, gemeinsam interpretiert mit der Künstlerin und Sängerin ANIKA. Was passiert, wenn man ästhetisch so unterschiedliche Werke aus verschiedenen Kulturproduktionen nebeneinanderstellt? Anhand des filmtheoretischen Begriffs der Suture, dem ‚Zusammennähen‘ von vermeintlich unpassenden Materialien, richtet das Solistenensemble Kaleidoskop den Blick auf ungeahnte Verbindungsstellen zwischen den Werken und Genres.

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Pixelsinfonie

Ein Mensch und die Musik. Alleine, an einem Tisch, in den eigenen vier Wänden und getrennt von der Außenwelt komponierte Ludwig van Beethoven seine „6. Sinfonie“, die „Pastorale“. Mit den Klängen seiner Komposition holte er die Natur, das Außen – in Form von Wasser, Wetter, Tieren und Pflanzen – nach Hause, in die von ihm imaginierte klangliche Gefühlswelt. Sein Werk war im frühen 19. Jahrhundert ein revolutionärer Akt und hat nun im Frühjahr 2020 eine erschreckende und unerwartete Aktualität bekommen: Die Corona-Pandemie erfordert weltweit einen Rückzug ins Private. Das Virus erzwingt eine wochen- und monatelange Begegnung mit sich selbst. Und plötzlich gewinnt die Vorstellungskraft einer Welt, die irgendwo da draußen liegt, an enormer Bedeutung. Der Komponist Michael Rauter nutzt die „Pastorale“ für einen Einblick in das isolierte Leben. Und was könnte aktuell eine in seine kleinsten Einzelteile zergliederte Gesellschaft besser repräsentieren als der Klangkörper Orchester? Jede*r Musiker*in spielt einzeln. Jedes Instrument erklingt allein. Und wenn sich das Orchester irgendwann begegnet, zusammensetzt und erklingt, entsteht ein gemeinsames, großes Bild, durch das die Sehnsucht und die Kraft einer Gesellschaft in der Krise spürbar wird.

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Pas de Deux #2 – Second Skin Second Sky

In „Second Skin Second Sky“, dem zweiten Teil der Reihe „Pas de Deux“, betreten die Geigerin und Performerin Mari Sawada und der Tänzer und Choreograf Nitsan Margaliot die Bühne der Zwei. Wie zwei Weber*innen an einem Teppich, der von Klangereignissen und Bewegungsfragmenten durchzogen ist, lassen sie in Ihrem Zusammenspiel neue Muster und Pattern sichtbar und hörbar werden. Dabei schlüpfen sie immer wieder in die Rolle und den Körper der*des Anderen, lassen die Grenzen des eigenen Selbstverständnisses verschwimmen. Leichtfüssig, wie in einem Tagtraum, werden Bewegungen und Klänge gesammelt und spielerisch getauscht. Das Publikum wird dazu eingeladen, auf diesem imaginären Teppich Platz zu nehmen und sich für einen Moment in der Gegenwart zu versammeln.

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The Women in Peer Gynt

Was wäre, wenn wir den selten gehörten Figuren aus „Peer Gynt“ ein offenes Ohren schenkten? Was wäre, wenn wir Peer verstummen und die norwegischen Frauenstimmen auf der Bühne selbst zu Wort kommen ließen? Wie wäre es mit einer überraschenden Perspektive auf Henrik Ibsens Klassiker – einem ‚alternativen Peer Gynt‘? Das Solistenensemble Kaleidoskop versucht eine ungewöhnliche Annäherung an die Themen des Meisterwerks, und lässt Werke norwegischer Komponistinnen in einen Dialog treten mit Auszügen aus Edvard Griegs „Peer Gynt Suite“.

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Pas de deux #1 – Constructing Love

In „Constructing Love“, dem ersten Teil der neuen Reihe „Pas de Deux“ des Solistenensemble Kaleidoskop, erleben zwei Menschen Begegnung, Trennung, Vereinigung und Ende. Objekte und Klänge laden das Paar dazu ein, miteinander zu interagieren. Eine markante Choreographie spannt den Bogen zwischen individualistischem Nachsinnen und Momenten des gemeinsam Erlebten. Alain Badiou schreibt: „Denn jeder weiss, dass Liebe eine Neuerfindung des Lebens ist. Die Liebe neu zu erfinden, bedeutet diese Neuerfindung neu zu erfinden.“ In diesem Stück, das im Rahmen der Reihe „New Empathies“ des radialsystem präsentiert wird, laden Milla Koistinen und Paul Valikoski das Publikum ein, über diese Neuerfindung nachzudenken.

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Kaleidoskop bei KONTRAKLANG

Kaleidoskop ist am 30. Oktober 2019 mit Werken von Ana-Maria Avram und Ernstalbrecht Stiebler zu Gast bei KONTRAKLANG.

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Die Kinder über dem Informationsmeer

Das Internet verführt manch Nutzer*in zur ungefragten und anonymen Äußerung in Bewertungen und Kommentaren. Dieses Phänomen macht auch vor der Musik keinen Halt und verdrängt zunehmend die klassische Konzertkritik. In Thomas Meadowcrofts neuem Werk „Die Kinder über den Informationsmeer“ für Kinderchor und Streichorchester zitiert der Mädchenchor II & III der Sing-Akademie zu Berlin kritische Reaktionen auf klassische Musik aus sozialen Medien und bringt zugleich Erwartungen an eine digitale Zukunft zum Ausdruck. Dem gegenüber stellt das Solistenensemble Kaleidoskop Schönbergs Klassiker „Verklärte Nacht“. Die Tondichtung handelt von einem Paar, das jenseits von gesellschaftlichen Erwartungshaltungen eine unkonventionelle Familie gründen möchte. Abgerundet wird das Programm durch das Acapella-Chorwerk „Memento salutis auctor“ des englischen Renaissance-Komponisten William Byrd.

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Howling Wolf: Kaleidoskop vs D’Est

Im Rahmen von „Howling Wolf: Festival für Film-Musik-Performance“ lädt das Wolf Kino über 8 Wochen im Zeitraum Juni und Juli 2019 Musiker*innen ein, sich mit unterschiedlichsten Formen filmischer Erzählung, vom Stummfilm bis hin zum zeitgenössischen Experimentalfilm, auseinanderzusetzen. Je eine Woche lang werden die Musiker*innen ihren spezifischen Zugang zur Thematik und Emotionalität der Filme erkunden und an einem eigenen musikalisch-performativen Konzept arbeiten. Dabei geht es nicht um die Komposition bzw. Produktion von Musik für Film, sondern darum, zu untersuchen, was mit Musik und Klang in Bezug zu Film möglich ist. Den Prozess, die Auseinandersetzung und Annäherung von Film und Musik, kann das Publikum in öffentlichen Proben ebenso verfolgen, wie sich den abschließenden performativen Aufführungen hingeben. Ausgehend von Chantal Akermans „D’Est“ (Von Osten, B 1993, 107 Min.), einem Film, der sich jeder Kategorisierung entzieht, wird das Solistenensemble Kaleidoskop seine musikalische Inszenierung entwickeln.

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Nobodaddy is perfect

Odysseus, Bach und die Kunst des Verschwindens. Ein fulminant-dystopischer Musiktheaterabend von Georg Nussbaumer: In Odysseus, dem listenreichen Eroberer Trojas, erkannte die Aufklärung den ersten modernen europäischen Menschen. Das Solistenensemble Kaleidoskop spürt – in Remineszenz an die zerstörte mythische Stadt und den nicht ganz perfekten Helden bei Homer – auf einer Reise am ehemaligen Verlauf der Berliner Mauer heutigen Spuren seiner Irrwege nach und nutzt das an den Rändern der verschwundenen Stadt entstandene Video- und Tonmaterial als Grundlage: Bachs „Kunst der Fuge“ – das kristalline Meisterwerk des Drehens und Wendens des immer gleichen Themas – wird repetiert, gespiegelt und überschrieben und mit Schuberts nach vorne preschenden Erlkönigtriolen ergänzt… Nach dem Guckkastenprinzip ist die Odyssee auf kleine und winzigste Maßstäbe geschrumpft – eine Ruinenlandschaft aus Sanitärkeramik, Archipele aus Waschbecken und Klomuscheln, durchsetzt mit Treibgut-Souvenirs. Das Meer ist verschwunden, Nobodaddy/Odysseus der Abenteuer überdrüssig und Penelope ein abgestandener Vorwand, die hypnotische Kreisbahn zu verlassen…

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Untitled

Dem Stück „Über den Fetischcharakter in der Musik und die Regression des Hörens“ gegenüber stellt Kaleidoskop mit „Untitled“ eine zweite künstlerische Position: In einer experimentellen, intimen Anordnung begegnen sich Yodfat Miron, Bratschistin von Kaleidoskop, und die französische Choreographin Alix Eynaudi, langjähriges Mitglied von Anne Teresa de Keersmaekers Tanzcompagnie Rosas in Brüssel. In einem Duett mit offenem Ausgang erforschen Sie das Zusammenspiel von Körper, Raum, Klang und Denken.

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